Der Ort Ziesar
Wappen Ziesar Stadtansicht Der Ort, ursprünglich Ezeri (vom slawischen Zajeserc "Hinter dem See" abgeleitet) genannt, gelangte 948 als Burgward in den Besitz des Bistums Brandenburg. Ziesar bot eine günstige Lage an der Straße von Magdeburg über Zerbst nach Brandenburg, zwischen dem Fiener Bruch und einem großen See gelegen. Dieser See verschwand allerdings später innerhalb kurzer Zeit.
Nach dem großen Slawenaufstand von 983 diente die Burg bis 1161 als Exil der Brandenburger Bischöfe.

Bereits frühzeitig siedelten sich nahe der Burg Menschen an. Diese erste Ansiedlung wird in der Vorstadt vermutet. Als Marktplatz diente nur eine Verbreiterung der Hauptstraße. 1337 bekam Ziesar magdeburgisches Stadtrecht. Ein ursprünglich vorhandener Roland wurde im 18.Jahrhundert beseitigt. Erst Mitte des 14.Jahrhunderts erhielt Ziesar auch eine einfache Stadtbefestigung. Vier Stadttore und ein großer Teil der einfachen Stadtmauer wurden bereits im 17.Jahrhundert wieder abgerissen.

Kirche Ziesar Eine bereits früh genannte Peterskirche ist im 18.Jahrhundert verschwunden. Die kreuzförmige Pfarrkirche St. Crucis wurde als Feldsteinbau mit massigem Westturm zu spätromanischer Zeit, anfangs des 13.Jahrhunderts, ausgeführt und um 1860 völlig umgestaltet. Bemerkenswert sind im Inneren der Kirche zwei Grabsteine der Ritter Tilo und Ghereke Kothe, die in den Jahren 1359 und 1383 verstorben sind. In den Stein geritzt sind die Ritterfiguren in voller Rüstung - mit Schild und Wappen.

Zwischen 1330 und 1340 wurde an der Stadtkirche St. Crucius ein Zisterzienser- Nonnenkloster St. Maria errichtet, welches noch bis zur Reformation bestand. Zwei später als Schulen verwendete Gebäude, Anbauten an der Kirche, weisen noch heute darauf hin.

Bereits 1226 war auch ein Franziskanerkonvent ansässig. Dieses wurde 1271 nach Brandenburg verlegt.

Haus Friedrich II Auf dem Grundstück Mühlentor 16 ließ König Friedrich II. sich 1775 ein Wohnhaus errichten, in dem er auf seinen Inspektionsreisen nach Magdeburg übernachten wollte. Eigentümlicherweise erfüllte das Haus aber nie diesen Zweck. Nach der Überlieferung hatte der Baumeister soviel von des Königs Geld "abgezweigt", daß er sich selbst ein Haus bauen konnte. Dieses Wohnhaus stand zu aller Dreistigkeit in Sichtweite des Wohnhauses des Königs. Friedrich soll über die Unverschämtheit des Baumeisters so erbost gewesen sein, daß er nie in seinem Wohnhaus übernachtete.
In dem eingeschossigen Haus, das ein Mansardendach trägt, befindet sich seit 1989 in drei Räumen das Heimatmuseum, das durch den Kultur- und Heimatverein betreut wird. Das Museum ist von April bis Oktober täglich von 9 bis 17 Uhr und nach Voranmeldung geöffnet. (Museumsbesuche, Stadtführungen, Burgbesichtigungen und Turmbesteigung können unter der Telefonnummer
033830/65415 angemeldet werden.)

Ende Mai/Anfang Juni eines jeden Jahres findet auf der Burg ein Fest statt, bei dem sich neben Rittern auch Minnesänger treffen.

Vom 18.Jahrhundert bis zum Erschöpfen der Tonlager um 1939 entwickelte sich auch in Ziesar die Tonwarenindustrie. Ansonsten blieb der Ort eine kleine Ackerbürgerstadt. Die Weigerung der Zieseraner Bürger, einem Anschluß an die geplante Bahnlinie von Berlin nach Magdeburg zuzustimmen, bedeutete einen nicht mehr auszugleichenden Entwicklungsrückstand. Daran konnten auch die ab 1896 fertiggestellten Kleinbahnen nach Burg, Loburg und Wusterwitz sowie Güsen und Görzke nichts mehr ändern. Von 1901 bis 1970 war Ziesar mit der Eisenbahn von Wusterwitz aus zu erreichen. Die Bahn nach Görzke wurde von 1911 bis 1973 genutzt. Einen Aufschwung brachte dennoch die 1936 fertiggestellte Autobahn von Berlin nach Magdeburg.

Der 1851 in Ziesar geborene Schriftsteller Karl Storch beschreibt in seinem 1913 erschienenen Buch "Münchhausens Posthorn" das Städtchen. Auch Karl May erinnert in seinem Buch "Ritter und Rebellen" an Ziesar, indem er die Haft des Raubritters Putlitz beschreibt. Auch in Fritz Reuters "Ut mine Festungstid" wird Ziesar erwähnt.

Die Einwohnerzahl Ziesars stagnierte seit Jahren bei etwa 2500.

Der Sage nach säße am Fiener Damm ein Ungeheuer mit grünen Augen, daß niemanden passieren ließe, der keine Zähne mehr im Mund habe. Um sich vor diesem Übel zu schützen, nahmen die Menschen, einfach einen Knochen in den Mund und konnten so unbehelligt den Weg benutzen.

Der Fiener Bruch war bis zum Ende des 18.Jahrhunderts ein Sumpfwald, der erst zwischen 1774 und 1777 entwässert worden ist.


Ziesar - News

Ziesar - Der Besuch des Ministerpräsidenten im November 2000


Amtsbereich Ziesar

Gemeinden Einwohner Fläche in km²
Boecke 119 5,4
Buckau 290 20,1
Bücknitz 317 16,8
Dretzen 188 11,5
Glienecke 300 19,7
Görzke 1508 39,9
Gräben 500 24,3
Hohenlobbese 151 41,3
Köpernitz 167 6,7
Rottstock 718 10,2
Steinberg 139 7,7
Wenzlow 494 16,2
Wollin 878 26,4
Zitz 304 13,7
Ziesar 2228 24,0
Summe 8301 284,0
Amtsdirektor
13793 Ziesar
Tel.: 033830/6540
Fax: 033830/282
Karte Amtsbereich