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Schul- und Bethaus Dretzen

Juni 27, 2009 Von: WH Kategorie: Dretzen

Das Schul- und Bethaus in Dretzen ist eines von noch zwei bestehenden derartigen Baudenkmäler in Brandenburg. 1908 wurde der Bau vom 1890 gegründeten Evangelischen Kirchenbauverein errichtet, mit dem Kaiserin Auguste Viktoria der erstarkenden Sozialdemokratie in Preußen den rechten Glauben entgegen setzen wollte. Das Gebäude, das erheblich sanierungsbedürftig war, wurde 2008/2009 teilweise instand gesetzt. Bei der Öffnung der Turmkugel fand sich ein Dokument, das 1908 vom damaligen Pfarrer Siemons geschrieben wurde. Die Schul- und Bethäuser waren Kombinationen aus einklassiger Dorfschule, Lehrerwohnung und Betsaal. Das Bauwerk ist ein anerkanntes Denkmal.

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Der Baubericht von Pfarrer Siemons

Seit etwa 1890 schwebten Verhandlungen zwischen der königlichen Regierung in Magdeburg und der Gemeinde Dretzen wegen baulicher Veränderungen des Schulgebäudes, welches weder in seinen Klassenräumen noch in den Zimmern des Lehrers dem Bedürfnis entsprach. Bald sollte das Schulzimmer durch Anbau vergrößert, bald ein ganz neues Schullokal angebaut werden, bis endlich die Gemeinde, da die königliche Regierung, welche nicht baupflichtig war, ein außerordentlichen Zuschuss von 10 000 Mark versprach, sich zu einem vollständigen Neubau entschloss. Zuzüglich beschloss die Kirchengemeinde, deren Glieder nach Buckau zur Kirche gehen müssen, wo auch die Brautleute getraut wurden, während Taufen und Begräbnisfeiern, in der überaus traurigen Schule stattfinden, ein Betsaal an die Schule anzubauen, um selbst einen würdigen Raum für Gottesdienste aller Art zu haben. Die Ausführung dieses Beschlusses wurde der armen Gemeinde ermöglicht durch das Entgegenkommen der kgl. Konsistoriums, welches die Baukosten aus dem altmärk. Ämterkirchenfonds bewilligte, während die Gemeinde die Hand- und Spanndienste übernahm. So wurde dann der spezielle Bauplan von dem kgl. Kreisbauinspektor Kübler in Genthin aufgestellt und der Bau ausgeschrieben. Die Ausführung des Baus wurde dem Maurermeister Paul Schulze in Ziesar übertragen. Im Frühjahr 1908 wurde der Bau begonnen und bei schönstem trockenstem Bauwetter unter Gottes Schutz so weit gefördert, dass Mitte August dem Turmkopf diese Urkunde eingefügt werden konnte. Die Baukosten des Betsaales betragen ohne Hand- und Spanndienste 4000 Mark, wozu die innere Ausstattung kommt, für welche nur 900 Mark zu Gebote stehen. Der Schulbau kostet 13 300 Mark, wozu 10 000 Mark von der kgl. Regierung gegeben wurden. Die Steine hat die Köpernitzer Ziegelei von A. Hübner, die Zementdachsteine Henning und Kraft-Ziesar geliefert. Ortsschulze war im Jahr des Baues der Schmiedemeister Lehmann – schwerkrank an einem Magenleiden, Schöffen W. Sauermilch und Andr. Wendland. Einen eigenen Gemeindekirchenrat hat Dretzen nicht, sondern da es zur Kirchengemeinde Buckau gehört, untersteht es dem Gemeindekirchenrat in Buckau, dessen Dretzener Mitglied der Altsitzer Aug. Schulze, früher Gastwirt (Bäwert), ist. Von dem Baujahr 1908 ist noch zu sagen, dass seine Trockenheit unserem Bau zwar günstig war, unter derselben aber die Landwirtschaft sehr klagt. Am 3. August zeigte der Graf Zeppelin durch eine 18 Stunden dauernde Fahrt mit dem von ihm konstruierten Luftschiffe von Friedrichshafen bis Mainz, dass einem Deutschen die fast vollkommene Lösung des Problems eines lenkbaren Luftschiffes gelungen. Großer Jubel im deutschen Volke, Staunen aber auch neidische Anerkennung im Auslande. So groß aber der Jubel am 3. August, so groß die Klage am 4. an welchem Tage im Gewittersturm, dass bei Echterdingen gelandete Luftschiff, in fünf Minuten zerstörte. Wohl ist der politische Himmel dunkel umwölkt, an die Stelle des Erbfeindes Frankreichs, ist das ländergierige auf Deutschlands wirtschaftlichen Handel und Marine neidische Krämervolk der Engländer getreten, die mit ihrem Eduard an der Spitze Deutschland zu isolieren suchen. Mögen sie nur kommen, sagen wir mit unserem König und Kaiser, wir sind bereit. Angesicht solcher Begeisterung für Deutschlands Größe brauchen wir nicht zu zagen, wir sprechen mit unserem alten Bismarck: ,Wir Deutsche fürchten Gott und sonst nichts in der Welt. In diesem Jahre wurde auch die Kuppel des Burgfriedes der Burg Ziesar (Besitzer Sachsenberg) in ihrer ursprünglichen Gestalt wieder hergestellt, so dass sie weit in die Lande hinaus leuchtet. So Gott will, soll der Betsaal im Oktober durch Herrn General-Superintendent Vieregge aus Magdeburg geweiht werden. Möge Gottes Segen auf dem schlichten, aber würdigen Gebäude ruhen, möge er in Seiner Gnade geben, dass durch dasselbe christliche Leben und Gottesfurcht neu geweckt und erhalten werden. Der Gemeinde zum Heil, ihm zur Ehre.“

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